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Zukunftsdialog Agrar & Ernährung

Agrar- und Ernährungswirtschaft in postfaktischen Zeiten: Die Agrar- und Ernährungswirtschaft sichert in Deutschland Nahrung im Überfluss, steht aber dennoch anhaltend in der Kritik, weil die Ökonomie oft Vorrang vor der Ökologie hat. Jetzt räumen auch führende Landwirte ein, dass dieser Weg nicht immer mit Umwelt- und Tierschutz vereinbar ist. Muss sich substanziell etwas ändern und wenn ja, was? Welche Rahmenbedingungen will und kann die Agrarpolitik setzen? Was erwartet die Gesellschaft von der Agrar- und Ernährungswirtschaft? Insbesondere die Tierhaltung steht immer wieder in der Kritik. Der Ruf nach Fleischverzicht und Tierwohl wird lauter. Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier muss vielleicht neu bewertet werden.

TeneTRIO gewinnt den Ideenwettbewerb Agrar & Ernährung 2017

Popcorn für den Hund

Drei junge Wissenschaftlerinnen sind fasziniert von der Vorstellung, Insekten als alternative Proteinquelle für Fleisch zu etablieren. Dr. Ina Henkel, Sabrina Jaap und Katrin Kühn sind die Preisträgerinnen des Ideenwettbewerb Agrar & Ernährung 2017.

Ihr gemeinsames Ziel:

Innovative Produkte für die Humanernährung zu entwickeln und mit Blick auf Klimawandel, geringer Flächenverfügbarkeit und wachsendem Fleischkonsum einen Beitrag zur Ernährung einer weltweit wachsenden Bevöl­kerung zu leisten. Auf dem Umweg über einen von ihnen entwickelten Hundesnack, die TenePops, wollen sie um Akzeptanz für insektenbasierte Produkte werben – letztendlich auch für die menschliche Ernährung. Ihr Mut und konsequentes Engagement haben die Jury überzeugt.

Nachhaltigkeit zählt

In Asien wurde die Faszination für Insekten bei Ina Henkel und Katrin Kühn geweckt, wo Insekten schon lange auf dem Speisezettel zu finden sind. Warum nicht Mehl­würmer als Ausgangsbasis nehmen?, fragten sich die beiden Ernährungswissen­schaftlerinnen. Sie sind nährstoffreich und reproduzieren sich schnell. So benötigt die Produktion eines Kilogramms essbaren Mehlwurmproteins im Vergleich zur Rindfleischproduktion gerade einmal 1/10 an Fläche und 1/3 des Wassers. Zudem werden 88 Prozent weniger Treibhausgase produziert. „Das ist echt nachhaltig“, so Kühn.

„Von der verrückten Idee einer Mehlwurmaufzucht sind wir dann buchstäblich auf den Hund gekommen“, erklärt Henkel. Denn die Verarbeitung von Mehlwürmern für Lebensmittel ist in Deutschland noch nicht erlaubt, für Heimtiere aber schon. Inspiriert durch ihren Mentor Prof. Florian Schweigert an der Universität Potsdam machten sie sich an die Arbeit, ein Konzept für eine Unternehmensgründung von der Produktion, der Verarbeitung bis hin zur Vermarktung auszuarbeiten. Neben Markt- und Wettbewerbsanalysen mussten für Mehlwürmer eine standardisierte und regionale Aufzucht sowie ein Verarbeitungsprozess aufgebaut werden. Aber auch betriebswirtschaftlich musste es ja stimmen. So wurde aus dem ursprüng­lichen Duo mit Wirtschaftswissenschaftlerin Sabrina Jaap ein Gründertrio, das sich schon aus Schultagen kennt. „Die Finanzierung war eine große Frage“, räumt Katrin Kühn ein. Ein Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums war ein wichtiger Anschub.

Der Name ist Programm

Gut durchdacht ist auch der Name ihres noch zu gründenden Unternehmens. „Mit dem Namen TeneTRIO haben wir ein Wortspiel kreiert“, erläutert Sabrina Jaap. „Zum einen leitet sich der Name von Tenebrio molitor, der Mehlkäferlarve ab, die sich auch in drei Stadien vom Ei zum Käfer entwickelt. Und zum anderen vereint der Mehlwurm drei wertvolle Bestandteile: 1. Das gute Protein wie beim Rind, 2. Die guten Omega-Fettsäuren wie im Fisch und 3. Die Vitamin- und Mineralzusammen­setzung wie in Obst und Gemüse.“ Für die Aufzucht von lebenden Mehlwürmern konnten die Gründerinnen das Institut für Getreideverarbeitung (IGV GmbH) in Potsdam gewinnen. Auch die Produktionstechnologie stellt die IGV für die TenePops zur Verfügung. „Als die erste Charge lebender Mehlwürmer ankam, war dieses Krabbeln aber auch für uns gewöhnungsbedürftig“, erzählt Ina Henkel schmunzelnd. Inzwischen gibt es keine Berührungsängste mehr.

Ziel fest im Blick

Dass ihre TenePops – das Popcorn für den Hund - auch bei den Vierbeinern ankommen, haben sie im Freundeskreis und benachbarten Hundeschulen bereits getestet. Intensiv arbeiten die drei Wissenschaftlerinnen nun an weiteren Produkt­entwicklungen. Aber nicht nur der Hundesnack soll nachhaltig sein, auch die Ver­packung muss es sein. Zunächst wollen sie den deutschen Markt erobern mit etwa 7 [SJ1] Millionen Hunden einem Gesamtumsatz für Hundefutter von 1,32 Mrd. € und einer Wachstumsrate von rund sechs Prozent.

Darüber hinaus engagieren sie sich in Vorträgen und auf Veranstaltungen dafür, Menschen über das Potenzial von Insekten als mögliche Proteinalternative aufzuklären und Berührungsängste abzubauen. Noch sind Insekten weder in der Futtermittelproduktion für Nutztiere noch in der Lebensmittelproduktion zugelassen. Ina Henkel, Katrin Kühn und Sabrina Jaap hoffen aber darauf, dass sich dies mit der Überarbeitung der Novel-Food-Verordnung im kommenden Jahr ändern wird. An ihrer Vision halten sie fest, Lebensmittel auf Insektenbasis auch in Europa etablieren zu können - gesund und vor allem nachhaltig.

Die Forscherin

Natalie Färber
Dr. Ina Henkel studierte Ernährungswissenschaft an der Uni in Potsdam und wurde promoviert zu dem Thema „Experimentelle Ernährungsmedizin“. Damit wurde der Grundstein in puncto Know-how für die Aufzucht von Mehlwürmern gelegt. Darüber hinaus organisiert sie Summer Schools im Bereich „International Nutrition“. Der größte Reiz für sie ist, erlerntes Wissen praktisch umzusetzen. Bei Insekten gibt es noch viel zu erforschen und Potenzial zu entdecken. Diesen Trend mitzugestalten findet sie „superspannend“.

Die Qualitätsbewusste

Natalie Färber
Katrin Kühn ist ebenfalls studierte Ernährungswissen­schaftlerin. Ihr Schwerpunkt sind tiefgreifende Kenntnisse zu Labormethoden, von denen das Qualitätsmanagement von TenTRIO profitiert. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni hat sie darüber hinaus viel Erfahrung in Projekt­management und Kostenkalkulation sowie im IT-Bereich gesammelt. Sie treibt vor allem der Nachhaltigkeitsge­danke an. Mit ihrem Engagement will sie im Hinblick auf eine Ressourcen schonende und sichere Welternährung etwas bewirken.

Die Wagemutige

Natalie Färber
Sabrina Jaap hat Internationale Wirtschaftswissenschaften studiert. Erste Arbeitserfahrungen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Marketing- und Markenkommunikation sowie Personal- und Geschäftsentwicklung hat sie im In- und Ausland gesammelt. In Frankreich arbeitet sie zuletzt im Exportvertrieb und der Marketingkommunikation. Das Konzept von TeneTRIO hat die Wirtschaftswissen­schaftlerin voll überzeugt. Deshalb hat sie den Sprung ins TeneTRIO-Team gewagt und bis „jetzt nicht bereut“. Mit ihrem Engagement will sie insbesondere die Welt „ein Stück besser machen“.

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Zukunftsdialog Agrar & Ernährung 2018 am 5. Juni 2018
Willkommen im Jahr 2025 – Perspektiven der Nahrungsproduktion. In den Bolle Festsälen, Berlin.